SAN JOSE Noch ist der Markt für Festplatten in der Consumerelektronik recht übersichtlich, aber er wächst schnell. Einziges Manko: Die meisten Festplatten erfüllen noch nicht die technischen Anforderungen vieler Systeme der Unterhaltungselektronik. Zu diesem Schluss kamen Festplatten-Hersteller und Anwender auf der Diskcon-Konferenz, die vergangene Woche im kalifornischen San Jose stattgefunden hat.
Einen kleinen Schritt in die richtige Richtung will das für ATA-Schnittstellen zuständige T13-Komitee gegen Jahresende gehen und einen neuen Befehlssatz für Streaming Media verabschieden. Einige Anbieter haben laut Shoji Fuchigami, Senior Manager bei Sonys Home Networking Division, bereits Laufwerk-Prototypen mit einer Vorversion des kommenden Instruktionsatz-Standards vorgestellt.
Dieser soll dafür sorgen, dass die Festplatten kontinuierlich Musik oder Filme abspielen, selbst wenn unterwegs einige Daten verloren gehen. Heutige Festplatten unterbrechen die Datenübertragung, während sie auf der Platte die Dateien suchen. Für PCs ist das akzeptabel, für die digitale Video-Wiedergabe jedoch nicht.
In seiner Funktion als Komitee-Mitglied der IDEMA Japan, dem japanischen Ableger des Interessenverbands der Festplattenbranche, arbeitet Fuchigami gerade an den Benchmarks zur Bewertung von Festplatten für Unterhaltungselektronik.
Der neue Instruktionssatz ist laut Nigel Macleod, Senior Vice President of Notebook Products bei Seagate Technology im kalifornischen Scotts Valley, nur eine von vielen unerfüllten Anforderungen, denen Festplatten in der Unterhaltungselektronik gerecht werden müssen. Laut Macleod müssten die Festplatten in einem größeren Temperaturbereich arbeiten, zuverlässiger sein, Vibrationen und Stöße besser aushalten. Sie sollten mit 0,5 Watt auskommen und müssten insgesamt kleiner sein.
Derzeit werden laut Macleod jährlich über 200 Millionen Festplatten abgesetzt, wovon 10 Prozent in die Unterhaltungselektronik gelangen. Allerdings wachse der Sektor jährlich um 50 Prozent. Bis dato setzten die Hersteller von Unterhaltungselektronik überwiegend PC-Festplatten ein.
Laut Ken Morse, Vice President of Set-Top Architectures der PowerTV Division von Scientific-Atlanta, verlagert sich das Geschäft zunehmend auf Settop-Boxen mit integrierten Videorecordern, die auch HDTV empfangen können. Das heize den Bedarf an großen Festplatten zusätzlich an. Das Unternehmen arbeitet derzeit an einer Settop-Box für mehrere Räume. Diese soll eine Festplatte an Bord haben, bis zu sieben DES-verschlüsselte MPEG-2-Streams unterstützen und über ein Koaxialkabel andere Settop-Boxen und PCs im Haus versorgen.
Dieser neue Videorecorder für Heimnetze befindet sich noch in der Testphase, wird aber sicherlich die Nachfrage nach Speichermöglichkeiten am anwenderseitigen Kabelanschluss stimulieren. "Ziel ist die Decodierung von 150 Kanälen in Echtzeit, wobei die Videoaufzeichnung zwei Wochen lang zur Verfügung steht", erklärt Morse.
Scientific-Atlanta baut in seinen Settop-Boxen 3,5-Zoll-IDE-Platten mit 80 GB ein. Laut Morse will man aber auf 2,5-Zoll-Platten mit serieller ATA-Schnittstelle umsteigen, um mehrere gleichzeitige Streams bei Durchsätzen von 17 MByte/s zu ermöglichen.